Montag, 7. März 2011

E10 - ein fragwürdiger ökologischer Kraftstoff

Etliche Tankstellen bieten seit Januar 2011 das neue Super Benzin  E 10 mit einem Bioethanol-Anteil von bis zu 10 % an.

Was viele nicht wissen: Bisher waren bereits 5 % Ethanol im Kraftstoff erlaubt. Das Ziel das die Bundesregierung mit der Einführung von E 10 verfolgt, ist eine Reduzierung des Treibhausgases CO2, da Bioethanol einen geschlossenen CO2-Kreislauf durch nachwachsende Rohstoffe aufweist. Laut Bundesumweltminister Norbert Röttgen möchte man so auch die Anhängigkeit vom Rohöl reduzieren.
Leider gibt es aber den einen oder anderen gravierenden Haken: Denn nicht alle Fahrzeuge vertragen den neuen Kraftstoff. Deshalb wird und muss es auch weiterhin Ottokraftstoff (E5) mit 5% Alkohol geben. Und wer den mit Alkohol versetzten Sprit tanken darf, muss auf Grund dessen geringerer Energiedichte mit mehr Verbrauch rechnen. 

Die Autofahrer sind jedoch, wohl auch wegen mangelnder Aufklärung seitens Regierung und Mineralölwirtschaft, verunsichert und tanken weiterhin das bisherige Super mit 5% Ethanol. Dies ist jedoch, um den Verkauf anzukurbeln, so teuer wie Super Plus.

Anfang März führte dies bereits zu Lieferengpässen und einem vermutlich vorläufigen Stopp der weiteren Einführung.

Wofür steht eigentlich E 10?
·         E steht für Ethanol, besser gesagt Bio-Ethanol. Der Ethanol kommt dabei aus dem Getreide- und Zuckerrübenanbau.
·         10 steht für den 10%igen Anteil im Kraftstoff.
Welche Autos dürfen gefahrlos E 10 tanken?
Laut Angaben der Mineralölwirtschaft vertragen rund 90 % diesen Sprit. Leider liegen an Tankstellen noch keine Listen aus (Stand Anfang März). Informieren können sich die Autofahrer aber auf jeden Fall bei ihrer Herstellerwerkstatt oder auf der Herstellerhomepage. Außerdem bieten der ADAC und die Deutsche Automobil Treuhand über das Internet ebenfalls Listen zur Information an (siehe Links am Ende). Übrigens: Auch Besitzer von Motorräder und Rollern müssen sich informieren, ob ihr Modell für E 10 geeignet ist.
Welche Kosten entstehen bei Tanken und beim Verbrauch?
Verzichtet man auf E 10 und tankt stattdessen E5 oder Super Plus so entstehen Mehrkosten von rund 3 bis 4 Euro pro Tankfüllung. Denn das bisherige Super (E5) wird in der Regel zum Preis von Super Plus verkauft wird (vgl. Bild oben). Und bei einem 50 Liter fassenden Tank machen eben 8 ct Unterschied gleich 4 € aus.
Umgekehrt steigt durch den Bioethanolanteil im Kraftstoff der Verbrauch wiederum an. Laut ADAC zwischen 1,5 und 3 Prozent. Ein Test von Autobild bestätigte dies und übertraf teilweise die Erwartungen. Der Mehrverbrauch mit E 10 lag bei einem VW Golf TSI (Turbomotor, 122 PS) je nach Fahrzyklus zwischen 3 und 5 %. Rechnet man bei einem Fahrzeug einen Verbrauch von 8 l/100km so kommt man auf einen Verbrauch von 8,24 bis 8,4 l. Dies bedeutet, dass der Vorteil der regenerativen Energie fast komplett aufgebraucht wurde. Dies macht die erwartete CO2-Reduzierung fast komplett zunichte! Da kann von einer Unabhängigkeit vom Rohöl (Röttgen) wohl nicht mehr die Rede sein.
Was kann geschehen, wenn falscher Kraftstoff getankt wurde?
Durch das Ethanol im Kraftstoff können laut Aussage des ADAC Motorteile angegriffen werden. Im Einzelnen können Aluminiumteile korrodieren und Dichtungen des Kraftstoffsystems können zerfressen werden. Wenn dies noch rechtzeitig erkannt wird, sollte man das Fahrzeug am besten sofort stehen lassen und seine Werkstatt informieren. Dann würde wahrscheinlich der Kraftstoff wieder abgepumpt werden. Motoren, die falsch betankt wurden, können bereits durch einmaliges Betanken kaputt gehen, so der ADAC. 
Welchen Beitrag leistet E 10 zum Umweltschutz?
Der Gedanke klingt zunächst gut: Durch einen geringeren Benzinanteil im Kraftstoff spart man Rohölvorräte ein und die Ökobilanz verbessert sich durch den nachwachsenden Rohstoff. Denn beim Verbrennen  wird lediglich die Menge des klimaschädigenden Gases CO2 freigesetzt, die die Pflanzen zuvor aus der Luft gebunden hatten.
Leider geht diese Rechnung nur dann auf, wenn für den Anbau keine Wälder, Weide- oder Brachflächen in neues Ackerland verwandelt werden. Denn dann würde mehr Kohlendioxid freigesetzt, als durch biologische Kraftstoffe eingespart wird. Davor warnt beispielsweise der Naturschutzbund (Nabu). Und die Rechnung geht eben dann auch nicht auf, wenn wie schon erwähnt das Fahrzeug erheblich mehr Kraftstoff braucht. Dass die Autofahrer da nicht auf diesen ökologisch fragwürdigen Kraftstoff umsteigen ist eigentlich ein völlig rationaler Vorgang.
Autohersteller wie BMW und Mercedes fürchten sogar noch Schlimmeres. Sie vermuten, dass durch den hohen Ethanolanteil die Wassermenge im Motor zunehmen würde und dieses dann kondensiert ins Motoröl gelangen könnte. Die Folge wäre Ölverdünnung und Ölalterung, was die Ölwechselintervalle zu Lasten der Kunden verkürzen würde. Dies müssten allerdings erst Tests zeigen, wie der Leiter der Mechanikentwicklung Thomas Brüner von BMW mitteilte (Anm.: Inzwischen wurde die Aussage von Herrn Brüner von BMW jedoch wieder auf Länder mit schlechterer Kraftstoffqualität reduziert).
Dies alles ist so denkt der Autor trotzdem Grund genug, die Versorgung mit E 10 erst einmal auszusetzen.
Johannes Wiesinger, 07.März 2011
Links zur E 10 Verträglichkeit:

Quellen:
ADAC, Autobild, Donaukurier, kfzbetrieb.de, Süddeutsche,
Bild: Johannes Wiesinger